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Leber, Gallenblase und -wege, Bauchspeicheldrüse

Leber

Die Leber ist das zentrale Organ des gesamten Stoffwechsels und die größte Drüse des Körpers. Sie erfüllt viele lebenswichtige Aufgaben, wie die Verarbeitung chemischer Substanzen und deren Speicherung und Abgabe im Bedarfsfall, den Abbau von Stoffwechselprodukten und Giften und die Herstellung und Abgabe von Gallenflüssigkeit.

Gutartige Erkrankungen:

    • Leberzysten   -  sie haben nur selten einen behandlungspflichtigen Krankheitswert. Liegt eine Indikation zur Operation vor, kann diese in aller Regel minimal invasiv durchgeführt werden.
    • Hämangiome   -  diese Blutgefäßgeschwülste sind ebenfalls harmlos und nur bei außergewöhnlicher Größe operationspflichtig.
    • Leberzelladenome  -  die gutartigen Lebergewebeknoten kommen vor allem bei Frauen im gebärfähigen Alter vor. Ihre Entstehung ist auf die Einnahme von östrogenhaltigen Verhütungsmitteln zurückzuführen. Selten kommt es zur Entartung oder zu spontanen Blutungen. Wegen der möglichen Entartungsgefahr ist eine operative Entfernung jedoch meist anzustreben. Beträgt die Knotenzahl mehr als zehn Knoten, spricht man von Leberadenomatose.
    • Adenome - Ein Adenom ist eine gutartige Geschwulst aus Schleimhaut oder Drüsengewebe und kann jedes Organ betreffen. Nicht selten ist die Abgrenzung von Adenomen zum bösartigen Lebertumor schwierig. Kann die Adenom-Diagnose jedoch eindeutig gestellt werden, sind regelmäßige Kontrolluntersuchungen ausreichend. In seltenen Fällen – beispielsweise bei Oberbauchbeschwerden oder unklarem Geschwulstverhalten – kann eine operative Entfernung notwendig werden.
    • FNH  -  Bei der FNH (Fokal Noduläre Hyperplasie) handelt es sich um gutartige Veränderungen, die aus funktionierendem Lebergewebe bestehen. Meist handelt es sich um kleine Läsionen (weniger als drei Zentimeter Durchmesser), die in mehr als 80 Prozent der Fälle einzeln auftreten und weder einreiß- noch entartungsgefährdet sind. In seltenen Fällen können die Veränderungen allerdings durch untypisches Größenwachstum Beschwerden bereiten.

 

Bösartige Erkrankungen: 

    • primäre Leberzellkarzinome, Lebermetastasen

Primär in der Leber entstandene maligne (bösartige) Tumore sind meist Zufallsbefunde im Rahmen einer Ultraschalluntersuchung des Bauchraumes. Lange Zeit treten keine Beschwerden auf. Später kann es zu Druckschmerzen im Oberbauch, Gewichtsverlust oder einer tastbaren Vergrößerung des Organs kommen. Sie machen nur etwa 10% aller bösartigen Lebergeschwulste aus. 90% aller malignen Lebertumore in Europa jedoch sind Lebermetastasen. Das sind Absiedelungen anderer bösartiger Tumore im Körper – vor allem aus Dick- und Enddarm.

Tumorerkrankungen der Leber können aber auch als Spätfolge einer Leberzirrhose oder chronischen Hepatitis B und C (Leberentzündung) sowie als in der Leber selbst entstandenes, so genanntes primäres Leberzellkarzinom auftreten. Gallengangskarzinome innerhalb der Leber und im Bereich der großen Hauptgallengänge stellen eine weitere Form bösartiger Tumore dar.

Neben der Möglichkeit einer medikamentösen Behandlung (Chemotherapie) und/oder Strahlentherapie (Radiatio) stellt die operative Entfernung des befallenen Leberabschnitts, abhängig von Tumorgröße, -anzahl und -lokalisation, eine wichtige Therapieoption dar. 

In enger Kooperation mit der Abteilung für Gastroenterologie werden alle betroffenen Patienten ausführlich besprochen und das individuell optimale Behandlungskonzept nach Diskussion im interdiziplinären Tumorboard gemeinsam mit den Experten aus dem Bereich Onkologie und Strahlentherapie abgestimmt.

Gallenblase und Gallenwege

Die Gallenblase ist ein Hohlorgan, das der Speicherung und Eindickung der von der Leber produzierten Galle dient, die zur Verdauung von Fetten im Darm benötigt wird. Fälschlicherweise wird auch die Gallenblase selbst oft als „Galle“ bezeichnet.
Die Gallensekrete der Leber werden über die intrahepatischen Gallengänge gesammelt und dann im sog. Ductus hepaticus, dem oberen Abschnitt der außerhalb der Leber befindlichen Gallengangsstrukturen, zur Gallenblase geleitet. Nach Rückgewinnung von physiologischem "Wasser" wird das eingedickte Gallensekret über den Gallenblasengang, den Ductus cysticus, und nachfolgend über den unteren Abschnitt des Gallenhauptganges, den Ductus choledochus, über die sog. Papilla duodeni major in den Zwölffingerdarm abgegeben.
Die Diagnostik dieser Strukturen (Ultraschall, Endoskopie mit ERCP und EPT sowie Radiologie mit MRCP) wird in Kooperation mit der Abteilung für Gastroenterologie durchgeführt.

Gutartige Erkrankungen:

    • Cholezystitis, Cholezystolithiasis

Eine Gallenblasenentzündung ist zu 90 Prozent durch Steine in Verbindung mit bakteriellen Infektionen bedingt. Kommt es zum Steinabgang aus der Gallenblase führt dies meist zu schmerzhaften Koliken. Das am häufigsten durchgeführte minimal invasive Operationsverfahren ist die laparoskopische Entfernung der Galle (Cholezystektomie) bei Gallensteinleiden (Cholezystolithiasis) und Gallenblasenentzündungen (Cholezystitis). Jährlich werden mehr als 200 Eingriffe im Marien-Hospital Wesel erfolgreich vorgenommen. Die besondere Erfahrung der Operateure ermöglicht auch bei fortgeschrittenen akuten Entzündungen in den allermeisten Fällen die Anwendung dieses schonenden Verfahrens. 
Liegt ein Stein in den extrahepatischen Gallengangsstrukturen vor, wird der Stein wenn möglich vor der Operation durch die Kollegen der Gastroenterologie mittels Endsokopie geborgen. Die minimal invasive Entfernung der Gallenblase wird unmittelbar anschließend durchgeführt.Gelingt es nicht, den Stein endoskopisch zu entfernen, ist meist eine Gallenblasenentfernung mittels offenem Operationsverfahren nötig. Intraoperativ kann dann der verschlossene Gallengang inspiziert, eröffnet und die Abflussbehinderung beseitigt werden.
 

            Bösartige Erkrankungen der Gallenblase und Gallenwege 

Sie sind erfreulicherweise sehr selten. Nach umfassender Diagnostik wird gemeinsam mit den Experten des interdisziplinären Tumorboards ein individuell optimales Behandlungskonzept erarbeitet. Im Falle einer operativen Sanierung sind oft ausgedehnte Resektionen notwendig. Zusammen mit den Kollegen der Narkoseabteilung werden diese Patienten optimal für eine solche Operation vorbereitet, um ein möglichst schmerzfreies und wenig belastendes Vorgehen zu gewährleisten.

Bauchspeicheldrüse (Pankreas)

Die Bauchspeicheldrüse (Pankreas) liegt im Oberbauch zwischen Dünndarm und Milz. Ihre Hauptaufgabe ist die Produktion von Verdauungsenzymen und -hormonen. Als bedeutendes Stoffwechselorgan ist sie wichtig für die Verdauung und die Blutzuckerregulation.


Gutartige Erkrankungen:

    • Akute Bauchspeicheldrüsenentzündung (Pankreatitis)

Bei der plötzlich einsetzenden Entzündung kommt es zu einer Schädigung von Bauchspeicheldrüsenzellen bis hin zum Absterben von Zellen. Durch die folgende Funktionseinschränkung werden schädigende Stoffe in den Körper abgegeben, die den Patienten lebensbedrohlich erkranken lassen.

Während die ödematöse Pankreatitis eine eher milde Form darstellt – bei der meistens keine anderen Organe in Mitleidenschaft gezogen werden –, kommt es bei der akut nekrotisierenden Pankreatitis zu einer breitflächigen Zerstörung von Bauchspeicheldrüsengewebe. Zusätzlich kommt es häufig zum Versagen anderer Organe wie Lunge oder Nieren.

Neben einer oft lebenslangen funktionellen Einschränkung kann das abgestorbene Gewebe zu Problemen im Bauchraum führen. Nicht selten entwickeln sich Pseudozysten, Abszesse oder Passagebehinderungen im Gallengangssystem, Magen oder Darmverlauf, die je nach Ausmaß operiert werden müssen. Infiziertes, abgestorbenes Bauchspeicheldrüsengewebe wird dabei entfernt, und durch Einlage von Drainagen wird der Raum um die Bauchspeicheldrüse ausgespült, um weitere Infektionen zu verhindern.

Neben der Behandlung der akuten Beschwerden gilt es, die Ursache der akuten Pankreatitis zu ermitteln und zu beseitigen. Ist ein Gallengangsstein – der die gemeinsame Einmündung von Galle- und Pankreassekret in den Zwölffingerdarm verstopft – verantwortlich für die Beschwerden, wird man versuchen, diesen endoskopisch (mittels ERCP) zu entfernen. Zusätzlich muss so schnell wie möglich die verursachende steintragende Gallenblase entfernt werden.

    • Chronische Pankreatitis

Bei der chronischen Pankreatitis handelt es sich um eine anhaltende, immer wiederkehrende Entzündung der Bauchspeicheldrüse. Es kommt zum Untergang funktionstüchtigen Pankreasgewebes mit Ersatz von Narbengewebe. Oberbauchschmerzen, Blähungen, Völlegefühl, Durchfall, Gewichtsverlust und Zuckerkrankheit sind häufige Krankheitszeichen.

Die häufigste Ursache in den westlichen Ländern ist der Alkohol. Nicht in jedem Fall muss es sich hierbei um zu viel Alkoholgenuss handeln. Unterschiedliche Toleranzgrenzen sind vielmehr dafür verantwortlich, dass bei manchen Menschen geringe Mengen Alkohol genügen, um die Krankheit auszulösen. Weitere wichtige Ursachen für eine chronische Pankreatitis sind: chronische Gallensteinleiden, Gendefekte, besondere Anlagen der Bauchspeicheldrüsengänge, Stoffwechselstörungen und Medikamente. In einigen Fällen bleibt die Ursache unbekannt.

Das Prinzip der operativen Versorgung ist es, eine Ableitung des Pankreasgangs in eine Darmschlinge herzustellen (Drainageoperation). Alternativ kommt eine so genannte duodenumerhaltende Pankreaskopfentfernung in Frage. Diese moderne Operationstechnik ist vor allem bei schweren chronischen Schmerzen erforderlich.

Es ist möglich, dass im Rahmen einer Pankreas-Operation die Milz mitentfernt werden musste. Ein Leben ohne Milz ist möglich. Da die Milz eine Rolle in der Immunabwehr spielt, sind Patienten ohne Milz jedoch empfindlicher gegenüber bakteriellen Infektionen. Da es nach Milzentfernung auch zu einem Anstieg der Blutplättchen kommen kann, sollten diese regelmäßig kontrolliert werden. Gegebenenfalls ist eine vorübergehende medikamentöse Therapie zur Thromboseprophylaxe nötig. Musste ein Teil der Bauchspeicheldrüse oder sogar das ganze Organ entfernt werden, können die Mangelzustände an Pankreasenzymen und Insulin mit entsprechenden Medikamenten ausgeglichen werden.

Bösartige Erkrankungen: 

Das Pankreaskarzinom

Am häufigsten geht der bösartige Tumor vom Gangsystem im Bauchspeicheldrüsenkopf aus. Je nach Wachstum kommt es zur Beeinträchtigung der Pankreasfunktion und/oder Galleaufstau in der Leber.

Einen ganz ähnlichen Verlauf zeigt das Krebsleiden, wenn der Tumor nicht vom Pankreasgewebe selbst, sondern von tief sitzenden Gallengängen oder der Papille (gemeinsame Mündungsstelle von Gallengang und Pankreasgang in den Zwölffingerdarm) ausgeht. Der Vorteil dieser Krebstumore liegt allerdings darin, dass sie frühzeitig eine Gelbsucht verursachen und somit bald erkannt werden können.

Im Gegensatz dazu sind die Symptome von Bauchspeicheldrüsentumoren im Korpus- und Schwanzbereich recht uncharakteristisch. Schmerzen im Oberbauch - die in den Rücken ausstrahlen -, Gewichtsverlust und Appetitlosigkeit können auftreten. Auch eine neu aufgetretene Zuckerkrankheit kann Anlass für weitere Diagnostik sein. Die Ursachen der Entstehung sind bis heute nicht vollständig geklärt. 

Die einzige Chance auf Heilung verspricht die schnellstmögliche chirurgische Therapie, das heißt, vollständige Entfernung des Tumors. Die Standardoperation ist die partielle Duodenopankreatektomie nach Whipple. Wenn möglich unter Erhalt des Magenpförtners, der so genannten pyloruserhaltenden Whipple`schen Operation. In dieser neuen Technik wird der Magen vollständig erhalten und nicht wie beim klassischen Whipple zu Zweidrittel entfernt.

Ist im fortgeschrittenen Stadium eine vollständige Tumorentfernung nicht mehr möglich, gilt es vorhandene Symptome zu lindern. Besteht ein Gallerückstau und Gelbsucht, ist die Wiederherstellung des Galleabfluss Ziel der Behandlung. Dies kann endoskopisch durch die Einlage eines kleinen Schlauches (Stent) in den Gallengang oder operativ geschehen. Bei der chirurgischen Therapie wird ein Darmstück auf die Gallenwege genäht (biliodigestive Anastomose). Wächst der Tumor bereits in den Zwölffingerdarm ein und behindert die Nahrungspassage vom Magen in den Darm, kann durch eine Operation eine neue Verbindung zwischen Magen und Dünndarm geschaffen werden (Gastroenterostomie), um das Hindernis zu umgehen. Strahlen- und Chemotherapie bieten bislang keinen überzeugenden Nutzen in der Behandlung von Bauchspeicheldrüsenkrebs.