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Hohe Akzeptanz für das MHW-Update 2016: Experten des Marien-Hospitals Wesel informierten über Aspekte der Altersmedizin

MHW-Update2016

Zusammenfassung der Referate beim MHW-Update 2016

Dr. Frank Kuczera, Chefarzt der Geriatrie, betonte: „Der alte Mensch braucht eine spezielle Medizin.“ Die Geriatrie betrachte nicht die einzelnen Organe, sondern arbeite altersbezogen. Die Behandlung erfolge im Team. „Wir müssen gemeinsam etwas tun, um dem Patienten die weit verbreitete Angst zu nehmen, dass er nach einer Behandlung im Krankenhaus nicht wieder nach Hause kann“, hob Dr. Kuczera hervor.

Karin Franzmeyer, Assistenzärztin in der Senologie, trug in Vertretung der erkrankten Chefärztin Dr. Daniela Rezek den Vortrag „Behandlung der älteren Patientin mit Mammakarzinom in Kooperation“ vor. Sie stellte unterschiedliche Therapieformen (z.B. endokrine und Chemotherapie) vor, um sowohl Unter- als auch Übertherapierung zu vermeiden. Die Referentin warb für eine enge Kooperation von Praxis und Krankenhaus.

Als Chefarzt der Gefäßchirurgie sprach Dr. Jürgen Hinkelmann über die Chancen und Grenzen seines Fachs beim alten Menschen. Er sagte, das gesamte Gefäßsystem sei als ein Organ zu betrachten. Bei der Therapie von Engstellen, um das Schlaganfall-Risiko zu verringern, zeigen Studien, dass eine Operation für ältere Menschen wegen der etwas geringeren Komplikationsrate die bessere Option ist als die Stent-Implantation, berichtete Dr. Hinkelmann. Zu den Vor- und Nachteilen der Ballonaufdehnung stellte er fest: „Je näher man zu den Füßen kommt, desto schlechter werden die Ergebnisse.“

Dr. Levent Özokyay, Chefarzt der Orthopädie und Unfallchirurgie, stellte das Zentrum für Alterstraumatologie (ZAT) des Marien-Hospitals vor. Hier werden Patienten ab dem 75. Lebensjahr mit bestimmten Frakturen gemeinsam von Unfallchirurgie und Geriatrie behandelt – und zwar von der Aufnahme bis zur Entlassung. Es gibt gemeinsame Chefarzt-Visiten und Fallkonferenzen. Für das ZAT stehen sechs Betten zur Verfügung. Das als Projekt gestartete ZAT sei inzwischen „Alltag“ und habe sich bewährt, so Dr. Özokyay. Die Ziele (frühzeitige und stabile Versorgung der Patienten, frühzeitige Mobilisierung und kürzerer stationärer Aufenthalt) würden erreicht, so sein Fazit nach inzwischen 57 „Fällen“.

Ebenso anschaulich wie eindringlich schilderte Fachkrankenschwester Martina Flores die Auswirkungen von Demenz auf Betroffene und Angehörige. Einige Kernaussagen: Pflegende Angehörige spüren einen starken Leistungsdruck durch das Umfeld; in der Regel trägt eine Person die Hauptlast; bei der Pflege durch den Partner kommt es zur Aufgabe von sozialen Kontakten, um den Kranken zu schützen; das Hauptproblem der Pflegenden ist die Einsamkeit; sie müssen lernen, Hilfe anzunehmen und einen „gesunden Egoismus“ zu entwickeln; Demenz ist angstbesetzt, Stress verstärkt die Symptome des Erkrankten; gewohnte Kommunikationsformen und Verhaltensmuster müssen aufgebrochen werden; der kranke Mensch geht in einem schleichenden Prozess in eine andere Realität – das zu erleben und damit umzugehen lernen ist schwer und bitter.

„Anästhesiologische perioperative Versorgung des alten Menschen“ lautet das Vortragsthema von Dr. Marc Achilles. Der Chefarzt der Anästhesie zeigte am Beispiel eines alten Menschen mit hüftgelenksnaher Fraktur auf, dass jede Verzögerung einer OP das Sterberisiko erhöht. Es gebe keine Daten dazu, ob die Regionalanästhesie der Vollnarkose bei der Mortalitätsrate überlegen sei, so Dr. Achilles. Weitere Aspekte seines Vortrags waren die Schmerztherapie bei OP-Einschleusung, die multimodale Schmerztherapie und die präoperative Risikosenkung durch die Änderung von Parametern, die der Arzt beeinflussen kann. So sei es möglich, die Mortalität allein durch Eisenzugabe zu senken, betonte Dr. Achilles. Er warb für eine „konsequente Vermeidung von Schmerz durch interdisziplinäre Konzepte“.

Nach jedem Vortrag nutzten Teilnehmer die Gelegenheit, fachbezogene Fragen zu stellen oder weiterführende Anmerkungen zu machen, so dass sich ein reger Informations- und Erfahrungsaustausch entwickelte - über Fachgebietsgrenzen hinweg, unter niedergelassenen Medizinern und Krankenhausärzten, zwischen Auditorium und Referenten. Genau damit war das Ziel des MHW-Updates erfüllt.